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15.11.2017
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VIZ Präsident Reinhold Scheuchl (li.) mit Querschiesser Hans-Arno Kloep

VIZ:

5. Österreichischer Trendkongress

84 Teilnehmer informierten sich am 14.11.2017 über die Trends 2018 in der Installations-Branche, über die Branchenkonjunkturerwartungen und Top-Themen.

Fritz Katz

Den Auftakt zur Veranstaltung nach der Begrüßung durch den VIZ-Präsidenten Reinhold Scheuchl, setze der erste Gastreferent mit dem Prinzip Motivation. Dabei zog der ehemalige Kommandant der Cobra, Wolfgang Bachler, alle Register und spornte die Zuhörer an, sich und andere zur persönlichen Höchstleistung zu bringen und Ziele auch unter schwierigsten Bedingungen zu erreichen. Die Reaktion des Auditoriums auf den Vortrag von Bachler war ebenso positiv wie auf auf den des zweiten Gastreferenten Dipl.Ing. Gerhard Greiner von BearingPoint, einem Beratungsunternehmen für Geschäftsmodelle der Zukunft. Dieser machte die Digitalisierung in allen Facetten transparent und visualisierte, dass Analyse und Verständnis des Zusammenspiels zwischen realer und digitaler Welt zu Mechanismen für erfolgreiche Geschäftsmodelle führen. Diese angewandt geben veränderungsbewussten Unternehmen die Chance rund um das eigene Kernprodukt mit neuen Services und Dienstleistungen die Wertschöpfung zu steigern. Ganz wesentlich dabei ist es, einen disruptiven Anstz zu wählen, was bedeutet die Gesetzmäßigkeiten zu ändern.

Der Querdenken Hans-Arno Kloep, studierter Wirtschaftswissenschaftler und Marketingprofi, der seit 15 Jahren mit Querschiesser selbständig ist, wird von verschiedenen Unternehmen und Organisationen der SHK-Branche als Experte und Beiratsmitglied sehr geschätzt, bestacht bei seiner Präsentation der Konjunkturdaten wie gewohnt mit pointierten Ausführungen. Auf den Punkt gebracht, stand im Vordergrund drei Kernaussagen: "Bad vor Heizung ist vorbei", "Es gibt keine Warengruppenkonjunktur sonder nur Firmenkonjunktur" und "Trend geht zu mehr gewerblichen Bauprojekten an Stelle des Wohnbaus". Dies stützt sich auf die volkswirtschaftliche Daten und die Erfahrungen aus 423 Telefoninterviews mit über ganz Österreich verteilten Installationsbetrieben.

Insgesamt ist für 2018 eine SHK-Konjunktur, die leicht über dem prognostizierten Wirtschaftswachstum liegt, zu erwarten. Die positive Grundstimmung der Interviewten mag vor allen Dingen an den vollen Auftragsbüchern liegen, da 92% der Installateure sich über keine oder geringe Bedrohung durch Schwarzarbeit aussprachen. Im Gegenzug dazu stellt für rund 60% der Facharbeitermangel ein Problem dar. Kloep machte deutlich, dass jene 48% der Befragten, die mehr materiallosen Service machen als früher in deutliche Gefahr kommen, denn um den Magenverlust zu kompensieren müsste der Stundensatz verdoppelt werden. Interessant ist, dass 70% der befragten Installateure den Konzentrationsprozess im Großhandel nicht als Bedrohung ansehen. im Gesamtbereich SHK kann mit einem Wachstum von rund 4,5 Prozent in 2018 gerechnet werden, wobei Der Bereich Installation deutlich besser performen  und auch die Heizung leicht vor dem Sanitärbereich liegen könnte.

Bei der Warengruppenabfrage ergibt sich im Bereich Sanitär vor der Wand alljährlich ein interssantes Bild, da die Installateure bei Duschrinnen, bodenebenen Duschsystemen und Duschabtrennungen eine deutlich besser Konjunktur voraussagen als bei Sanitärkeramik und Armaturen. Dies kann sich eigentlich nur um eine Verständnisproblem handeln, da ein Standardbad aus all diesen Komponenten besteht und daher die Konjunkturerwartungen in etwa gleich auf liegen müssten. Eine Warengruppe für die die Installateure eine sehr gute Entwicklung prognostizieren sind die Wandverkleidungssysteme welche statt Neuverfliesung bei der Sanierung eingesetzt werden.
Bei der Rohinstallation sind im Bereich Installationssysteme, Hausabflussleitungen und Brandschutz die besten Konjunkturaussichten gegeben. Schockieren sind die Erwartungen bei Heizwertgeräten. Diese seit 25.September 2015 in der EU, außer bei mehrfachbelegten Kaminen, nicht mehr zugelassene Technik sehen 48,5 % der Befragten als für 2018 deutlich oder leicht besser in der Konjunkturaussicht, wobei Brennwert nur mit rund 23% deutlich oder leicht besser eingestuft wird.

Extrem positiv sollten sich im kommenden Jahr elektrisch betriebene Wärmepumpen, Pelletskessel, kontrollierte Wohnraumlüftung , Photovoltaik und sogar die Solarthermie nach Meinung der Verarbeiter entwickeln. Bei der Wärmeverteilung sollten im kommenden Jahr die Fußbodenheizung, Warmwasserspeicher, Frischwasserstationen und Röhrenradiatoren konjunkturell die Nase vorne haben.
Bei der Fragen nach den bevorzugten Großhändlern kam die Frauenthal-Gruppe mit 41%, vor der Gruppe der mittelständischen Betriebe mit 38% und der GC-Gruppe mit 21% zu liegen. Bei der Warenbeschaffung greifen die Installateure zu 88% auf Bezug beim Großhandel zurück, 11% erfolgen im Direktbezug und nur 1% im Versandhandel.

Abschliessend präsentierte Kloep die seiner Meinung nach 6 echten Herausforderungen für die Branche:
1) Montagekapazitäten - Da zu wenig Fachkräfte verfügbar sind, dies führt zum Eindringen von Branchenfremden am deutschen Beispiel einer zertifizierten Prozesskette als Befähigungsnachweis, wie dies in Deutschland die Estrichleger geschafft haben Fußbodenheizungen mit Zustimmung der Handelskammer verlegen zu dürfen.
2) Transaktionskette - Die ist zu lang und strukturell zu teuer ist. Hier ist eine Mehrwertargumentation nötig.
3) Preisfindungsmodell - In Produktpreise einkalkulierte Serviceentgelte auf Dauer tödlich sind weil diese Services von engagierten Installateuren gar nicht abgerufen werden.
4) Mehrwertkommunikation, hier müssen sich die Handwerker bewegen, denn "wer sonst nichts weiß, redet vom Preis".
5) Servicerlebnis - Wenn es das Handwerk schafft Angebote mit Arbeitswerten statt Stundenlöhnen abzugeben und Kostenlospositionen dennoch mit einem Wert besetzt, ist Angst vor dem Internethandel nicht nötig, da dieser einfach Geld gegen Ware tauscht ohne jeden Service.
6) Komfortzonenverbleib - Die Handelsmarke hilft nicht dauerhaft in dieser zu verbleiben, denn der Preisdruck auf im Multichannel vertriebene Markenprodukte zieht auch den Preis der Handelsmarke nach unten und die Margen schmelzen.

Die Trendstudie, welche jeder Teilnehmer am Ende der Veranstaltung erhielt, beinhaltet neben den Detailauswertungen der Befragung eine Vielzahl von interessanten Fakten im Bezug auf Point of Sale, BIM, Vorfertigung und die Erwartungen an die Digitalisierung, sowie Kloeps Thesen zu möglichen Branchenengpässen. Der nächste VIZ-Trendkongress findet voraussichtlich am 13.November 2018 wieder in Wien statt. Die Investition in den Teilnahmebeitrag rechnet sich jedoch bei aufmerksamer Teilnahme und Umsetzung im eigenen Betrieb sicherlich kurzfristigst. Weitere Informationen: www.viz.at

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